Wolfram von Drachau
Kommandant der Haunebu IV Wotansklinge. Anführer von Projekt Nordmark. Ein von Drachau – und das bedeutet: er hat keine Wahl, er hat einen Auftrag.
Der Name von Drachau hat Gewicht. Die die ihn kennen wissen das. Die die ihn nicht kennen lernen es.
Der Mann
Wolfram ist Mitte vierzig – und sieht aus wie jemand der vierzig Jahre gelebt hat, nicht wie jemand der sie verwaltet hat. Die Narbe an seiner linken Wange stammt nicht aus einem Gefecht. Sie ist ein Schmiss – aus jener Zeit, als er noch Student war und einem Kodex folgte der älter war als jede Uniform die er seither getragen hat. Wer ihn danach fragt bekommt keine Antwort. Wer lange genug dabei ist versteht warum.
Er führt die Wotansklinge so wie die von Drachau’s alles geführt haben: durch Präsenz, nicht durch Lärm. Er kann Kamerad sein. Er kann lachen. Aber in dem Moment wo es darauf ankommt – und er erkennt diesen Moment immer vor allen anderen – ist er etwas anderes. Kalt. Präzise. Bereit, alles zu geben um seine Leute zu schützen. Auch wenn es auf seine Kosten geht. Besonders dann.
Die Linie
Die von Drachau’s wurden nicht gemacht. Sie wurden geboren – in eine Linie die seit Generationen dasselbe sucht: das was die erste Zivilisation hinterlassen hat. Älter als alles was die Menschheit kennt. Älter vielleicht als die Frage selbst.
Die Führung von Projekt Nordmark ist kein Titel den man sich verdient. Sie gehört der Linie. Wolfram hat sie nicht übernommen – er war immer schon dafür vorgesehen. Geformt durch Kämpfe die er nicht ausgesucht hat, durch Verluste die er nie vergessen hat und durch Entscheidungen die er allein getroffen hat, weil niemand sonst im Raum war.
Wolfram weiß dass er das Ziel in seinem Leben nicht erreichen wird. Er sucht trotzdem. Das ist kein Widerspruch – das ist von Drachau.
Die Verbindungen
Er vertraut Götz Eisenfaust ohne Bedingung. Er respektiert Arvid Halvarsson so wie man nur jemanden respektiert der dieselbe Sprache spricht ohne sie je gelernt zu haben. Erik Dahl war einmal ein Freund – was daraus wurde trägt er anders als alles andere.
Valeska ist nicht seine Frau weil er sie liebt. Er liebt sie – aber das ist nicht der Grund. Sie verbindet dieselbe Mission, derselbe Kodex, dieselbe Überzeugung dass Familie nicht das Ende eines Satzes ist sondern sein Anfang. Sie ist die Einzige die ihn wirklich kennt. Das macht die Verbindung stärker als alles andere – und gefährlicher als alles andere.
Seinen Sohn Siegfried betrachtet er mit dem Stolz eines Mannes der nie gelernt hat ihn auszusprechen.
Der Zyniker
Wolframs Zynismus ist echt. Er hat genug gesehen um wirklich so zu denken. Aber er weiß auch wann er ihn einsetzt – wann ein trockener Satz den Raum hält, wann Galgenhumor die einzige Sprache ist die eine Crew in einem schlechten Moment versteht. Er nutzt ihn. Das macht ihn nicht unehrlich. Das macht ihn zu einem guten Kommandanten.
Er weiß dass der Auftrag seiner Linie größer ist als sein Leben. Dass er vielleicht auch größer ist als das von Siegfried. Er trägt das. Ohne Klage. Ohne Geste.
Das ist die einzige Art wie ein von Drachau etwas trägt.